Zeitzeugin Rosa Schneeberger

Rosa Schneeberger wurde 1936, als Tochter von Katharina und Robert Schneeberger, in Wien geboren. Die ersten Jahre ihrer Kindheit, die sie in Wien-Floridsdorf verbrachte, verbindet Rosa Schneeberger mit schönen Erinnerungen. In der Nähe des "Wasserparks" und der Alten Donau lebte die Familie im Sommer in einem großen Wohnwagen auf dem Grundstück ihres Großvaters. Gemeinsam mit ihren Geschwistern verbrachte sie den Sommer unbeschwert am und auf dem Wasser. Im Winter lebte die Familie in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf.

Zeitzeugin Rosa Schneeberger

Rosa Schneebergers Vater und seine Brüder waren Musiker. Sie muszierten unter anderem im Restaurant "Kalitz". Den Großvater der Familie nennt Rosa Schneeberger "unseren König". Er kochte für die Familie und versorgte auch obdachlose Menschen mit einer warmen Mahlzeit und oft auch mit Geldspenden.

"Es war nämlich so, dass alle, die etwas verdient haben, spenden mussten für die Armen." *

Die bislang friedliche und unbeschwerte Kindheit von Rosa Schneeberger wurde gewaltsam beendet. Als Rosa Schneeberger drei Jahre alt war, im Jahr 1939, wurden ihr Vater und seine Brüder vom NS-Terrorregime verhaftet und in das KZ Dachau und in Folge in das KZ Buchenwald deportiert. Im Juli 1941 wurde Robert Schneeberger in das KZ Mauthausen überstellt, wo er schwere Zwangsarbeit im Steinbruch des Konzentrationslagers verrichten musste.

"Alle haben sie geholt, die nicht so waren wie sie wollten. Die nannten sie dann 'asozial'. Jedenfalls haben sie meinen Vater geholt, eingesperrt und nach Mauthausen gebracht. Aber nach zwei Jahren habe sie dann auf einmal uns auch geholt, obwohl wir nichts getan haben." *

Rosa Schneeberger war fünf Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern als Sintizza verhaftet und ins Lager Lackenbach deportiert wurde. Das von den Nationalsozialisten als "Zigeuner-Anhaltelager Lackenbach" bezeichnete Lager wurde im November 1940 auf dem Gelände eines ehemaligen Gutshofs, 15 Kilometer westlich von Deutschkreutz im Burgenland errichtet.

Zeitzeugin Rosa Schneeberger hält eine Rede auf einer Gedenkfeier in Oberwart © MeinBezirk.at / Anika Paul

Die unmenschlichen Bedingungen in Lackenbach beschreibt Rosa Schneeberger so:

"Sie haben uns da in einen großen Heuschuber gesteckt. Da hatten sie so Pritschen gemacht, wie für die Tiere und wir waren am ersten Stock oben und mein Großvater war unten beim Tor. (…) Es gab nur einen Brunnen und nicht weit davon war ein großes Klo, nichts betoniert, nur so eine Grube, etwa drei Meter breit und sieben Meter lang. Da haben sie Bretter daneben gebaut. Das kann ich nicht vergessen. Die armen Leute, die krank waren konnten nicht so richtig sitzen ohne Lehne, die sind hingefallen und man hat sie einfach liegen lassen." *

Im Lager Lackenbach versuchte die Familie unter unvorstellbaren Bedingungen zu überleben. Rosa Schneeberger musste viele Menschen sterben sehen. Auch der Großvater der Familie überlebte nicht. Sie musste miterleben, wie ihr geliebter Großvater in einem Massengrab verscharrt wurde.

Hunger, Kälte, Krankheiten wie Typhus und schwere Zwangsarbeit, die auch die Kinder verrichten mussten, schwächten alle Familienmitglieder sehr, aber sie überlebten und im Jahr 1941 sahen sie auch Familienvater Robert Schneeberger wieder.

Dieser hatte sich bei der Zwangsarbeit im Steinbruch des KZ Mauthausen schwer verletzt. Über das Polizeigefängnis "Elisabethpromenade" wurde er im Oktober 1941 nach Lackenbach überstellt, wo er ebenfalls Zwangsarbeit verrichten musste und gezwungen war, zur Unterhaltung der Aufseher zu musizieren.

"Mein Vater musste mit den Männern in den Wald arbeiten gehen und wir Kinder wurden von einer Aufseherin geholt. Wir waren schon sechs, sieben Jahre alt und mussten aufs Feld mitgehen und die großen Steine aus dem Boden holen, damit für die Bauern alles besser wächst. Wir hatte nicht einmal eine Kopfbedeckung." *

Zeitzeugin Rosa Schneeberger sitzt im Publikum während einer Gedenkveranstaltung in Oberwart © MeinBezirk.at / Anika Paul

Rosa Schneebergers zwei jüngste Schwestern kamen im Lager Lackenbach zur Welt. Der Familie war bewusst, dass sie vermutlich nur der Umstand, dass der Familienvater der "Unterhaltung" der Aufseher:innen dienlich war, vor der Deportation in eines der Vernichtungslager und dem sicheren Tod bewahrt hat.

"Das war unsere Rettung. Denn in den nächsten Wochen sind schon drei Transporte von unseren Leuten, Mütter mit fünf, sieben oder acht Kindern weggebracht worden, in so ein ‚Brausebad‘ hat man ihnen gesagt. Sie mussten sich ausziehen wegen der Entlausung und statt Wasser kam Gas. Danach wurden sie verbrannt. (…) Aber an dem Tag, an dem wir wegfahren sollten, ist mein Vater mit seinen Brüdern, die noch gelebt haben, angekommen." *

Rosa Schneeberger und ihre Familie überlebte im Lager Lackenbach bis zur Befreiung durch die Rote Armee im April 1945.
Lange Jahre schwieg Rosa Schneeberger über das, was sie in diesen Jahren ihrer Kindheit erleben musste. Ihr Schweigen bricht die Zeitzeugin aus Angst, dass sich die Geschichte wiederholen könnte und die Gräueltaten des NS-Terrorregimes heute wieder begangen werden könnten.
Rosa Schneeberger spricht heute, um vor allem junge Menschen zu warnen, zu mahnen und um für ein "Niemals wieder" zu appellieren.

Quellen:
* Rosa Schneeberger in einer Rede 2023 im Rahmen des Nationalen Holocaust-Gedenktages für Rom:nja und Sinti:zze in Oberwart (Burgenland): www.vhs-roma.eu
volksgruppen.orf.at
lexim.uni-hamburg.de
Fotos der Gedenkveranstaltung in Oberwart © MeinBezirk.at / Anika Paul

Zeitzeugin Rosa Schneeberger bekommt nach ihrer Rede bei einer Gedenkveranstaltung in Oberwart Blumn überreicht. © MeinBezirk.at / Anika Paul