Daniel Chanoch

Zeitzeuge

Daniel Chanoch wurde 1932 in Kaunas als jüngstes von 3 Kindern von Frieda und Shraga Chanoch geboren. 1941 wurde er und seine Familie von den Nationalsozialisten verhaftet und ins Ghetto Kaunas deportiert. Ab 1943 wurde das Getto zum Konzentrationslager. Daniel Chanoch überlebte Todesmärsche und sechs Konzentrations- und Vernichtungslager, darunter Dachau, Auschwitz-Birkenau und Mauthausen. Seine Eltern und seine Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Zu Kriegsende wurde er von einer Jüdischen Brigade entdeckt, die ihn nach Israel brachte. Auf dem Weg nach Israel traf er in Italien seinen Bruder Uri, der ebenfalls überlebte, wieder. Seinen Bruder Uri sah Daniel zuvor das letzte Mal im Konzentrationslager Landsberg. Sein Bruder Uri verstarb in der Nacht von 1. auf 2. September 2015. Für Daniel Chanoch ist es ein großes Anliegen sein Zeugnis über den Holocaust weiterzugeben und für ein „Niemals wieder“ zu appellieren.

Daniel Chanoch, Zeitzeuge

„Ich glaubte immer daran, dass ich überleben werde“

Eine Geschichte von Zusammenhalt und Solidarität - Daniel Chanoch und die Buben aus dem Konzentrationslager Kauen (Kaunas Ghetto)

Im Sommer 1941 errichtete die SS in Kaunas (Litauen) das Ghetto Kauen, welches ab dem 15. September 1943 zum Konzentrationslager umfunktioniert wurde. Am 14. Juli 1944 wurde das Konzentrationslager Kauen aufgelöst und die noch lebenden KZ-Häftlinge in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Frauen und kleine Kinder blieben im Konzentrationslager Stutthof, während Männer und ältere Buben in das Konzentrationslager Landsberg, ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, gebracht wurden (Lagerkomplex Landsberg/Kaufering). Bei einem „Morgen-Appell“ im Konzentrationslager Landsberg selektierte die SS eine Gruppe von 131 Buben im Alter von 11 bis 15 Jahren, die von anderen KZ-Häftlingen separiert und bewacht wurden. Diese Gruppe wurde ins Konzentrationslager Dachau überstellt, wo die Buben ihren Zusammenhalt und gegenseitige Solidarität entwickelten. Einer dieser 131 Buben war Daniel Chanoch.

Vom KZ-Außenlager Landsberg wurde die Gruppe ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Zwei Buben gelang die Flucht während des Transports, einer der beiden überlebte den Krieg. In der Nacht von 31. August auf 1. September 1944 trat die Gruppe von nun 129 Buben einen organisierten, gemeinsamen Einzug ins Vernichtungslager an, welcher von der SS überraschender Weise erlaubt wurde.

Somit rettete der organisierte Zusammenhalt die jüngeren unter ihnen vor der Selektion und der Ermordung. Während deren Inhaftierung im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden zwei Drittel der Gruppe ermordet. Im Zuge der Todesmärsche auf Grund der Auflösung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurde die Gruppe getrennt. Der größte Teil der Gruppe wurde ins Konzentrationslager Mauthausen sowie ein kleiner Gruppenteil ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert und die restlichen wurden von den Gruppen getrennt. Die Gruppe, die ins KZ Mauthausen deportiert wurde, wurde nach Althamer getrieben und von dort mit dem Zug nach Mauthausen. Während des Transports wurden zwei von ihnen getötet. Im Konzentrationslager Mauthausen setzten die überlebenden KZ-Häftlinge ihre Solidarität fort, welche ein wesentlicher Faktor für ihren Überlebenswillen war. Der Kommandant des Konzentrationslagers Mauthausen beschloss am 14.4.1945, dass die Häftlinge, die im Zeltlager in Mauthausen interniert waren, in das Konzentrationslager Gunskirchen - eines der 49 Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen - überstellt werden sollten. Die Gruppe der Buben, die im Zeltlager interniert war, wurde somit auf einen weiteren Todesmarsch getrieben. Das KZ-Außenlager Gunskirchen war als Auffanglager für jüdische Häftlinge konzipiert. Wenige Tage vor der Befreiung wurden noch Häftlinge ins Außenlager Gunskirchen überstellt, mit dem Auftrag die Leichen notdürftig zu bestatten. Trotzdem war das Lager bei der Befreiung übersät mit toten Häftlingen. Die 71. US‐Infanteriedivision besetzte am 4.5.1945 den Ort Gunskirchen, am 5.5.1945 waren mehr als 1.300 US‐Soldaten in der Schule einquartiert und das dortige Häftlingskommando wurde befreit. Das Lager im Wald wurde erst in diesen Tagen entdeckt. Bei der Befreiung wurden von den US‐Soldaten 5.419 Überlebende, ca. 3.000 hatten das Lager vor Ankunft der US‐Truppen verlassen, registriert. Zwischen 2.700 und 5.000 Häftlinge haben im KZ-Außenlager Gunskirchen ihr Leben verloren. In Bezug auf Transportlisten und Veränderungsmeldungen ist das Außenlager Gunskirchen ein Spezialfall, da im Gegensatz zu den anderen Außenlagern des Konzentrationslagers Mauthausen diese nicht existieren und somit rekonstruiert wurden. Transporte vom Konzentrationslager Mauthausen zum Konzentrationslager Gunskirchen können durch Aufzeichnungen der Gendarmeriedienststellen sowie aus ZeitzeugInnenberichten der Lokalbevölkerung nachgewiesen werden. Im Außenlager Gunskirchen dürften somit zwischen 12.000 und 15.000 Häftlinge interniert gewesen sein. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Gunskirchen wurden die Überlebenden der „131 Buben“ in der Gegend rund um Wels durch die „US-Army“ versorgt oder in DP-Lagern (DP=Displaced Person) untergebracht. Die Mehrheit der überlebenden Buben traf auf die „Jewish Brigade“ und gelangte so nach der Befreiung nach Israel.

Beeindruckend an der „Gruppe der 131 Buben“ ist der enge Kontakt, der untereinander gehalten wurde. Die gegenseitige Hilfe und Fürsorge, die Ausdauer und der gemeinsame Widerstand ist ein Beispiel von Solidarität unter Kindern in Konzentrationslagern, die einigen der Gruppe das Leben rettete.

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