Heldenplatz

Schauplatz der Geschichte

Der symbolträchtige Wiener Heldenplatz ist ein Gedächtnisort für die historisch-moralische Identität der Österreicherinnen und Österreicher.

Der Heldenplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe der wichtigsten institutionellen Zentren des Staates: Präsidentschaftskanzlei, Bundeskanzleramt und Außenministerium. Als flächenmäßig außerordentlich mächtige Anlage liegt der Platz zwischen der Hofburg  und der Ringstraße. Ursprünglich wurde der Heldenplatz für Paraden und Kundgebungen konzipiert – aber auch als Ort der bewussten symbolischen Repräsentation.

Der Heldenplatz bis 1945

An keinem anderen Ort in Wien ist die österreichische Geschichte der letzten 100 Jahre so deutlich ablesbar wie am Heldenplatz:  Erster Weltkrieg (1914–1918), Niedergang der Monarchie,  die Zeit der Ersten Republik und des Austrofaschismus (1918–1938) bis hin zur politischen und moralischen Kapitulation mit dem Anschluss an das Deutsche Reich (1938) und die Befreiung durch alliierte Truppen und schließlich die Gründung der nach 1945 und bis heute bestehenden Zweiten Republik.

Ganz bewusst wurde dieser „aufgeladene“ Platz für die Nazi-Propaganda missbraucht, als Adolf Hitler im März 1938 auf dem Balkon der Hofburg den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündete. Bis heute steht der Heldenplatz im kollektiven Bewusstsein Österreichs als Symbol für die zustimmende Haltung eines breiten Teils der Bevölkerung für diesen Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland.

Der Heldenplatz nach 1945

Nach 1945 fanden auch immer wieder – aber dieses Mal ganz andere – Großereignisse auf dem Wiener Heldenplatz statt. Nur 20 Jahre später kam es zum ersten politischen Todesopfer der Zweiten Republik. Der KZ-Überlebende Ernst Kirchweger starb an den Verletzungen, die ihm rechtsradikale Gegendemonstranten bei der Demonstration gegen den nazitreuen Taras Borodajkewycz zufügten. Auf dem Wiener Heldenplatz gab es am Tag seiner Bestattung eine Trauerkundgebung, an der sich 30.000 Menschen beteiligten. Zur größten Demonstration der Zweiten Republik, dem „Lichtermeer“, kam es am 23. Jänner 1993, als sich mehr als 250.000 Menschen versammelten, um gegen die Anti-Ausländerpolitik der Haider-FPÖ zu demonstrieren.

Das „Lichtermeer" - die größte Demonstration der Zweiten Republik am 23. Jänner 1993:

23. Jänner 1993, Lichtermeer am Wiener HeldenplatzDer Heldenplatz wurde aber auch in der Kunst als „Bild“ eingesetzt. Bekanntestes Beispiel ist wohl das gleichnamige Theaterstück von Thomas Bernhard. Die Uraufführung am 4. November 1988 im Wiener Burgtheater wurde zum medialen und kulturpolitischen Riesenskandal  – besonders auch, wegen des sogenannten „Bedenkjahres“  (50. Jahrestag des Anschlusses).

Von besonderer Bedeutung für den Wiener Heldenplatz ist der 8. Mai 1945. An diesem Tag ging der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht  zu Ende. Seit den 1990er Jahren veranstalteten rechtsextreme Burschenschaften ein Totengedenken um „ihre“ gefallenen Helden, Soldaten und Angehörigen der NS-Verbrechensorganisationen vor der Krypta im rechten Flügel des Burgtores. Gegen diese revisionistische Sichtweise fanden seit den 2000er Jahren regelmäßig Gegendemonstrationen statt, die den Sieg über die Deutsche Wehrmacht feierten und nicht betrauerten. Besonders intensiv wurde die Debatte 2002 geführt, als rechte Gruppen eine Protestveranstaltung gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ am Heldenplatz durchführten.

Der 8. Mai verlor auch in den darauffolgenden Jahren nicht an Brisanz. Die Gegendemonstrationen wurden größer und der Heldenplatz sogar geteilt, um auch den Protestkundgebungen Raum geben zu können. Anlässlich des 68. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde schließlich 2013 erstmals eine Mahnwache des Österreichischen Bundesheeres eingerichtet, um damit auch die umstrittenen Totengedenken des Wiener Korporationsrings endgültig von der Krypta fernzuhalten. Ebenso fand erstmals das „Fest der Freude“ statt – ein Gratiskonzert der Wiener Symphoniker veranstaltet vom Mauthausen Komitee Österreich, um das Ende des Nationalsozialismus als Tag der Befreiung würdig zu begehen.

Das Fest 2016

Tag der Befreiung

Daniel Chanoch

Zeitzeuge

Best of 2013-15

Das Fest zum Tag der Befreiung