Das Fest der Freude 2015

Jubiläum 70. JahreTag der Befreiung

70 Jahre Kriegsende Mahnende Worte beim "Fest der Freude"

15.000 Besucher versammelten sich am Abend am Heldenplatz, um die Befreiung Österreichs von der NS-Diktatur durch die Alliierten zu feiern. Bundespräsident Heinz Fischer bezeichnete den 8. Mai als "Tag der Wasserscheide."

Fischer forderte die Österreicher auf, an diesem Tag der "österreichischen Geschichte" ins Auge zu sehen. Er habe schon viele Gedenktage erlebt, aber noch nie einen „so kompakten Tag wie diesmal.“ Der 8. Mai sei eine "Wasserscheide" in der Geschichte des Landes: vor dem Tag herrschte Krieg, nach dem Tag Frieden, vor dem Tag herrschte das Terrorregimen, nach dem Tag begann der langsame Rückkehr zur Demokratie, Freiheit und Normalität.

„Wir feiern das Ende des Schreckens des Nationalsozialismus! Anfeindungen gegen andere Kulturen und Religionen erleben wir aber auch heute: Rechtspopulistische und rechtsextreme Organisationen und Parteien verbreiten Angst und Hetze. Wichtig ist, dass wir darüber reden und dagegen auftreten. Es soll niemand mehr sagen können 'Das habe ich ja nicht gewusst’“, so Willi Mernyi, Vorsitzender Mauthausen Komitee Österreich.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) warnte vor rechten Umtrieben in Europa. Wie heute sei auch vor dem Zweiten Weltkrieg deren Nährboden die grassierende Armut und die Arbeitslosigkeit gewesen. „Und es waren die Nationalsozialisten, die das missbraucht haben, die diese Ängste geschürt haben", zog der Kanzler Parallelen zur Gegenwart. Ihnen gelte es, durch ein starkes und soziales Europa den Nährboden zu entziehen.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte zuvor zu bedenken gegeben, dass sich Österreich lange nicht seiner dunklen Vergangenheit gestellt habe. Er stellte sich in seiner Ansprache auch die Frage: „Warum haben wir den Opfer-Mythos so lange mitgetragen?" Die Republik sei nunmehr zu einer Erinnerungskultur verpflichtet, die hilft, „die Fehler von damals dauerhaft zu vermeiden", betonte Mitterlehner. Und auch Zivilcourage sei gefordert.

Bewegend die Worte der Wiederstandkämpferin Helga Emperger: „(...) Ich habe meine Mutter dann nicht mehr wiedergesehen. Sie und ihre Mitkämpfer sind am 23. Dezember 1944, einen Tag vor dem Heiligen Abend, einen Tag vor meinem 16. Geburtstag, in Graz hingerichtet, ermordet worden. Unter dem Fallbeil hat man ihnen ihr Leben genommen. Und ich bin heute hier und möchte sagen, alle diese schrecklichen Gräuel, die dürfen wir einfach nicht vergessen. Niemals vergessen! Überhaupt dieses Kapitel österreichischer Geschichte darf nicht vergessen werden und ich bitte Sie alle, sind Sie aufmerksam, sind Sie wachsam und sollte es irgendwo Tendenzen geben, die auch nur im Geringsten unsere österreichische Demokratie gefährden könnten, stehen Sie auf und nehmen Sie Stellung dagegen. Nur so sehe ich für uns eine gute Zukunft."
 

Die Neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven mit den Wiener Symphonikern und ihrem Chefdirigenten Philippe Jordan stand in diesem Jahr beim mittlerweile dritten „Fest der Freude“ auf dem Heldenplatz auf dem Programm.

„Gerade in der politischen Geschichte und der daraus resultierenden Situation wird der Verbrüderung eine große Bedeutung zugesprochen. Mit Beethovens aussagekräftiger Symphonie Nr. 9 möchten wir ein Zeichen des friedlichen Zusammenhalts und Miteinanders setzen. Eröffnet wird das Festkonzert mit der Sokol Fanfare aus der Sinfonietta von Leoš Janáček, dem für mich menschlichsten und ehrlichsten Komponisten.“ so Philippe Jordan zu seiner Mitwirkung mit den Wiener Symphonikern, einem wunderbaren Sängerensemble mit Michaela Kaune (Sopran), Anke Vondung (Mezzosopran), Burkhard Fritz (Tenor) und Gábor Bretz (Bass), und dem Wiener Singverein.

Gratiskonzert der Wiener Symphoniker, Chefdirigent Philippe Jordan

Kommentare von BesucherInnen zum 70. Tag der Befreiung

„Danke für 70 Jahre Frieden - von welchen ich 2/3 miterleben durfte. Danke vor allem an die Befreier, die Vereinten Nationen und die Europäische Union - ohne welchen das heutige Österreich nie möglich gewesen wäre. Es ist ein Tag der Freude, auch weil ich ihn mit meinen Kindern und über 15.000 (!) anderen Leuten hier erleben darf."

„Danke für die Organisation! Großartig wie jedes Jahr... bewegend."

„Es war sehr berührend! Vor allem schafften es die Redner auch aufzuzeigen, dass es wieder in eine Richtung geht, die damals das NS Regime ermöglichte. Die Rede von Bundeskanzler Werner Faymann hat es auf den Punkt gebracht...Zeitzeugen sterben, aber das vergossene Leid bleibt....hoffentlich auch in unserer Erinnerung! Danke für die tolle Veranstaltung und dass ich in Friedenszeiten bis jetzt leben durfte!"

„Great concert and a lot of emotion. Today we pay tribute to those who have brought freedom back to Europe."

„Es ist etwas unglaubliches entstanden."

„Der 8. Mai muss zum Feiertag werden!"

 

MKÖ - Dokumentation ansehen

Veranstalter

Mauthausen Komitee Österreich

Rede von Widerstandskämpferin Helga Emperger

Impressionen